Autorenlesung von Joshua Groß

//Autorenlesung von Joshua Groß

Schulbibliothek organisiert Lesung des Altdorfer Autors Joshua Groß

Willkommen zu „Literatur am Leibniz“! – Das war das Eingangsmotto der Autorenlesung von Joshua Groß am 3. Mai 2019 in der Leibnizhalle, eine tolle Gelegenheit für die vier Deutschkurse der Q11, im Rahmen des Deutschunterrichts Literatur live zu erleben und einen leibhaftigen Schriftsteller auf der Bühne zu sehen und zu hören. Wie auch immer sich die Jugendlichen jedoch einen „leibhaftigen Schriftsteller“ vorgestellt hatten, der lässige junge Typ, der es sich im Schneidersitz vorne auf der Bühne bequem machte und ganz offen über sich und sein Schreiben berichtete, entsprach vermutlich keinem der Klischees, die möglicherweise in einigen Köpfen herumspukten.

Im ersten Teil der Veranstaltung las Joshua Groß aus dem ersten seiner inzwischen drei Romane mit dem Titel „Der Trost von Telefonzellen“. Es war eine gewisse gespannte Aufmerksamkeit bei den 16- bis 17-jährigen Schülerinnen und Schülern zu spüren, als sie der mit vielen überraschenden, gelegentlich surreal anmutenden Metaphern gespickten Handlung folgten, die sie in einem alten VW Bus durchs Nürnberger Land führte und dann unvermittelt zu einer kleinen Pause am Waldrand einlud, um eine Wasserpfeife zu rauchen. Immer wieder wurde der Handlungsstrang und die Unterhaltung der beiden jungen Hauptpersonen angehalten, um z.B. über die Eintönigkeit des geregelten Lebens der Konsumbürger nachzudenken und zugleich sich selbst in Frage zu stellen, denn der Blick von außen auf die Gesellschaft ist hier gleichermaßen auch eine Innenschau und Selbstreflexion.

Vermutlich waren es auch diese schonungslose Offenheit und diese ungeschützt dargelegten Selbstzweifel, die zu dem anregenden, intensiven Gedankenaustausch im zweiten Teil der Veranstaltung führten. Denn wenn man hört, dass dieser erfolgreiche Romanautor nach der Schulzeit auch nicht so recht wusste, wie es weitergehen sollte, mit Zweifeln und gebremstem Engagement ein Studium begann und dann wieder wechselte, und außerdem auch beim Schreiben manchmal seine Schwierigkeiten hat, das richtige Thema und treffende Ideen und Formulierungen zu finden, dann traut man sich auch selbst aus der Deckung und stellt Fragen wie:

  • Wie lange braucht man eigentlich, um eine Seite zu schreiben?
    Und wie lange braucht man für ein ganzes Buch?
  • Kann man vom Romaneschreiben leben? Könnten Sie, Joshua Groß, nach drei veröffentlichten Romanen nicht zuversichtlicher in die Zukunft blicken?
  • Haben Sie manchmal Angst vor den Reaktionen der Öffentlichkeit oder der Verleger auf Ihr Buch?
  • Haben Sie manchmal Schreibblockaden? Und was tun Sie dagegen?
  • Wie stehen Sie zu der Tatsache, dass immer weniger Bücher gekauft und gelesen werden?

All diesen Fragen hörte der Autor aufmerksam zu, ließ des Öfteren eine kurze Pause entstehen, in der er sich offensichtlich in die Bedeutung der Frage vertiefte, und antwortete dann ausführlich, wohlüberlegt und von seinen persönlichen Erfahrungen geprägt. So fühlte sich jeder und jede ernstgenommen, und die Hürde für weitere Fragen senkte sich zusehends. So erfuhr das interessierte Publikum, dass bei der Entstehung eines Romans oft einige Eckpunkte feststehen, die Verbindungen dazwischen aber noch Leerstellen sind, deren Ausfüllen dann der Handlung der Charaktere bzw. der Inspiration des Autors überlassen bleibt. Interessant und aufschlussreich war auch der Wunsch des Autors, einmal einen Roman in nur einem Monat zu schreiben, um so möglichst die Ideen aus ein- und derselben Stimmung zu speisen.

Insgesamt haben wir in diesen (nur) 90 Minuten einen erfrischenden und spannenden Einblick in die Schreibwerkstatt dieses Sprachkünstlers und Erzählers bekommen. „Inside Joshua Groß“ – so hätte die Veranstaltung auch heißen können, und sie hat Lust auf mehr gemacht.

Dirk Westerath, Organisator der Veranstaltung, stellvertretend für das Team der Schulbibliothek

2019-05-24T10:58:17+02:0024. Mai 2019|