„Coole“ Stadt, „cooler“ Vortrag

/, Geographie-Vorträge/„Coole“ Stadt, „cooler“ Vortrag

„Die „coole“ und gerechte Stadt“: Das war der Titel des diesjährigen Geographie-Vortrags für die Oberstufe am Leibniz-Gymnasium. Der Referent, Prof. Dr. Fred Krüger, forscht seit Jahrzehnten gemeinsam mit Studierenden zu Stadtthemen und präsentierte im Rahmen seines Vortrags Beispiele aus Erlangen (nicht so cool), Nürnberg (stellenweise cool) und London (eine der coolsten Städte der Welt, aber nicht besonders gerecht).

Wann aber ist eine Stadt „cool“? Dem Referenten zufolge ist sie das dann, wenn „coole“ Menschen in ihr leben, die neue Trends prägen. Diese Menschen sind oft Künstler, vom Sprayer über die Videokünstlerin bis hin zum Szenefriseur. Weil sie Platz brauchen, aber meist nicht viel Geld haben, sind sie auf preiswerte Wohn- und Gewerbeflächen in der Stadt angewiesen, und wenn sich an einer Stelle viele solcher Kunstschaffenden ansiedeln, kann daraus ein „cooler“ Ort mit überregionaler oder sogar weltweiter Ausstrahlung werden. Ein Beispiel ist der Londoner Hoxton Square.

Doch solche Orte werden schnell auch für Investoren attraktiv. Diejenigen, die diese Orte geprägt haben, und auch die alteingesessenen Anwohner, können sich die Mieten dann nicht mehr leisten und müssen weiter wegziehen: ein Prozess, der als Gentrifizierung bekannt ist und sich auch in vielen deutschen Städten vollzieht. Diese Verdrängung verschärft die sozialen Probleme in Städten.

Am Beispiel der Skater-Szene in Nürnberg stellte der Referent noch einen weiteren Aspekt von Gerechtigkeit in der Stadt zur Diskussion. Die Skater, junge Erwachsene, die Tricks auf Skateboards üben, treffen sich seit vielen Jahren ganz bewusst mitten in der Innenstadt am Kornmarkt. Dort aber ist das Germanische Nationalmuseum angesiedelt, viele Touristen halten sich dort auf und es gibt einen kleinen Wasserspielplatz, der zum Verweilen einlädt. Ihn und auch die Bänke nutzen die Skater für ihre Sprünge. Das führt zu Konflikten: Denn wer darf am Ende bestimmen, wie ein Ort genutzt wird? Darf es sein, dass direkt an der Straße der Menschenrechte mit ihrer würdigen Atmosphäre Sprünge mit dem Skateboard geübt werden? Oder ist das vielleicht sogar gerade dort besonders passend, weil Toleranz eben auch Toleranz gegenüber einer Gruppe junger Trendsportler bedeutet?

Es gelang Prof. Dr. Krüger, dass die Schüler im Anschluss an den Vortrag selbst solche Fragen stellten und mögliche Antworten diskutierten. Nach der Veranstaltung zeigten sich die Schüler nicht nur von dem unerwartet spannenden Inhalt, sondern auch vom lebendigen Vortragsstil des Referenten begeistert: „Ein cooles Thema!“, freute sich einer der jungen Zuhörer. Weitere Rückmeldungen waren:

„Der Referent hat es geschafft, das Wissen spannend und nah an unserem Leben zu präsentieren. Vor allem das Wissen im Bereich Jugendkultur (Namen von Skateobjekten, Banksy) hat mich beeindruckt.“

„Hyper-Gentrifizierung ist spannend!“

„Dach Fachwissen des Referenten ist beeindruckend. Er konnte die Begeisterung für die Wissenschaft eindrucksvoll vermitteln.“

Die Fachschaft Geographie wird versuchen, der Anregung der Schüler nachzukommen und Prof. Dr. Krüger ein weiteres Mal zu einem Geovortrag einzuladen. Für dieses Mal bedankte sich Ingrid Hell, die Fachbetreuerin, mit einem kleinen Geschenk bei dem Referenten, der auf ein Honorar bewusst verzichtet hatte. Das vorgesehene Referentengeld ging als Spende an das Projekt Ein-Dollar-Brille e.V.

Carola Wagenseil, Niklas Enser

2019-02-26T11:45:58+02:0026. Februar 2019|