Odyssee

Die Geschichte der Odyssee – ein Theaterstück nach Homer – aufgeführt am 18. März von der Werkbühne München vor den 7. und 8. Klassen

Homer? Wer ist das? Ja, natürlich: Homer Simpson. Familienvater, Chaot, lächerliche Figur und doch irgendwie ein Held aus dem amerikanischen Alltag! Nein, der ist nicht gemeint, wer dann? Homer, der Dichter der Odyssee, der Geschichte über den Helden Odysseus. Odysseus, König der Insel Ithaka, der nach dem trojanischen Krieg, den er dank seines genialen Einfalls zum Vorteil der Griechen beendet hat, noch weitere zehn Jahre umherirren muss, bis er wieder daheim bei seiner Frau Penelope und seinem Kind, das jetzt ein erwachsener Mann ist, sein darf. Während dieser zehn Jahre erleben Odysseus und seine Gefährten viele Abenteuer, zurückkehren in die Heimat wird er aber allein, seine Freunde werden diese Irrfahrt nicht überleben. Und auch dort hat sich vieles verändert, er muss um Herrschaft und Ehe bangen, aber auch hier wird der Listenreiche seinem Ruf gerecht. Aber wie bringt man so einen unfassbaren und komplexen Stoff  auf die Bühne? Nur, wenn man den Zeitgeist erfasst. Das vollzieht die WERKBÜHNE München. Wie? Man rührt den Stoff um, peppt ihn mit witzig-geistreichen Zutaten und Possen auf, sorgt für ein stimmiges Bühnenbild und für eine musikalische Untermalung, die an Sphärenmusik erinnert, und lässt ein hervorragendes Ensemble auftreten. Und schon wird aus Homers antikem Klassiker ein aktuelles Stück über Macht und Ohnmacht, Selbstüberschätzung und Scheitern und sowie über Leichtsinn und Selbstverantwortung. So tritt der Held Odysseus aus sich selbst heraus und reflektiert mittels zweier Schauspieler über die Welt, sein Leben und seine Pläne.

Nicht alle Stationen der Odyssee werden dabei vorgestellt, aber z. B. der zweijährige Aufenthalt bei der Zauberin Kirke, ein Bleiben, nicht Weggehen wollen, die Auseinan-dersetzung mit dem Zyklopen und die Lebensbedrohung durch Skylla und Charybdis zeigen stellvertretend Situationen des menschlichen Lebens auf. Hinter diesen Aben-teuern stecken Bilder: Das Verharren, Bleiben, nicht Wegkommen-Wollen; die Aussichtslosigkeit einer Situation, die Krise, die das Lebens hinterfragt; wie auch das Vermeiden oder hier im wahrsten Sinne des Wortes Umschiffen einer Gefahr – das sind Geschehen, die das Leben für uns bereit hält. Aber hinter allen Abenteuern gibt es auch ein Ziel: die Heimkehr, das endlich Ankommen. Und auch jetzt können die Zuschauer die Ironie und das Augenzwinkern der Regie der WERKBÜHNE MÜNCHEN entdecken: Nicht jede Frau ist eine Penelope, wie sie uns Homer vorgestellt hat. Die Penelopes der Gegenwart stellen ihre „Helden“ in Frage und sind nicht so schnell bereit, sich ihrem Mann stets bedingungslos unterzuordnen. Sie hinterfragen und gehen auch eigene Wege. Das zumindest erinnert doch stark an Marge Simpson!

Text: Sabine Stamminger

Foto: Bettina Schäferling

2019-03-28T17:58:24+02:0028. März 2019|