The Simpsons and Politics: E Pluribus Springfield

////The Simpsons and Politics: E Pluribus Springfield

The Simpsons,die 1987 von Matt Groening gegründete Zeichentrickserie des amerikanischen Fernsehens, sei eine ziemlich tiefgründige soziale und politische Satire, stellt Markus Hünemörder zu Beginn seines Vortrags für die Schüler und Schülerinnen der Oberstufe des Leibniz-Gymnasiums Altdorf fest. Warum auch sonst sollte sich ein Lehrbeauftragter der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einer Magisterarbeit in Geschichte (University of New Orleans) und einer Dissertation in amerikanischer Kulturgeschichte mit den Simpsons befassen?

Er tut dies gründlich und überzeugend und analysiert auf sehr unterhaltsame Weise die vier Ebenen des satirischen Humors, die seiner Meinung nach der Serie zugrunde liegen.

Neben den klamaukigen Gags von Slapstick und Sitcom will der Cartoon durchaus „itchy & scratchy“ sein, ungemütlich, krätzig und anarchisch zuweilen, selbstkritisch, wenn er das amerikanische Fernsehen auf die Schippe nimmt oder Fragen zur Zensur oder der Freiheit der Künstler aufwirft.

Dabei findet Dr Hünemörder erstaunlich viele Bezüge und Anspielungen. Eine Ratte, die durch die Sweatshops Chinas oder Bangladeshs geistert, wo in Kinderarbeit Kleidung für den Westen, die Simpsons eben, hergestellt wird, ist als Banksys „Wappentier“ zu erkennen, dem derzeit bekanntesten britischen Graffitikünstler und Kapitalismuskritiker. Nostalgisch oder einfach nur komisch muten Parodien auf die amerikanische TV Show Cheers aus den 1980er und 1990er Jahren, Steven Spielbergs Indiana Jones oder Lola rennt von 1999 an.

Mit The Simpsons sei das neue Genre der Cartoon Satire geschaffen worden, und es gebe in den USA kein soziales oder politisches Thema von Bedeutung, das die Serie in den rund 25 Jahren ihres Bestehens nicht aufgegriffen hätte. Hohn und Spott müssen sich die Republikaner gefallen lassen, einflussreiche „Vampire“, menschlich unreif, inkompetent und korrupt, Wahlen werden manipuliert und Homer Simpson wird bezahlt, um Donald Trump, dem „sexistischen, rassistischen und islamophobischen“ Möchtegernpräsidenten zuzujubeln.

Sehr engagiert geht Dr. Hünemörder auf das Reizthema Gun Control in den USA ein. Dank der mächtigen Waffenlobby ist es auch für Mr. Simpson kein Problem, sich eine Waffe zu kaufen, und für den jungen Bart ist es kein Problem, deren Versteck zu finden. Selbst Marge Simpson unterliegt am Ende der Faszination der Waffe.

Das Gute (und das Schlimme) an den Simpsons ist, dass sie zutiefst menschlich, durchschnittlich und normal sind und damit die (amerikanische) Gesellschaft widerspiegeln, ebenso liebenswert wie auch verführbar. Dies aufzuzeigen ist Dr. Markus Hünemörder hervorragend gelungen, und sein junges Publikum hat nicht mit Applaus gespart.

Text und Foto: Regina Sorek, Dezember 2015

2018-11-12T18:16:07+02:0012. Dezember 2015|