Bilbao 2014

Vier Uhr früh. Der Wecker klingelt. Jeder normale Mensch würde jetzt noch liegen bleiben wollen, doch wir freuen uns und konnten eh nicht wirklich schlafen, weil es an diesem Mittwoch auf in die Sonne Spaniens, nach Bilbao, ging.

Mit einer lustigen Gruppe unserer Schule ging die Reise schnell vorbei und schon waren wir um zwei Uhr nachmittags an der Schule Botikazar angekommen.

Alle waren ein wenig nervös und fragten sich, ob sie sich mit ihrem Austauschpartner persönlich so gut wie beim Chatten verstehen würden. Die Sorgen waren nach dem ersten gemeinsamen Tag wie verflogen. Wir konnten uns alle sehr gut verständigen, auch wenn aufgrund der teilweise schlechten Englischkenntnisse der Eltern Spanisch geredet werden musste.

Am nächsten Tag haben sich die Spanier etwas Landestypisches einfallen lassen, wovon wir die ganze nächste Woche noch etwas hatten: Wir lernten baskische Volkstänze, deren Musik ein wahrer Ohrwurm ist.

An den Vormittagen hat unsere Gruppe Sehenswürdigkeiten in- und außerhalb Bilbaos besichtigt. Ein Highlight war das Parlament in der Hauptstadt Vitoria-Gasteiz, weil wir dort viel über das politische System des Baskenlandes erfuhren und wir uns auch währenddessen auf die Sitze der hochrangigen baskischen Politiker setzen durften.

In Bilbao waren die Besichtigung der gothischen Kathedrale im alten Teil und des Guggenheim-Museums im neuen Teil der Stadt sehr interessant, und durch das viele Laufen durch Bilbao konnten wir uns schnell selbstständig zurechtfinden. Zudem ist allen aufgefallen, dass der neue Teil der Stadt sehr modern und sauber ist und man sehr viel unternehmen konnte, sodass keine Langeweile aufkam.

Die Spanier haben sich bemüht, die Nachmittage abwechslungsreich zu gestalten. Trotzdem konnten wir selbst mitentscheiden, was wir machen wollten, und das endete oft in einem der schönen Cafés in der Gran Vía oder im Shoppingcenter gleich neben der Schule.

Worauf wir uns am meisten gefreut hatten, war der Strand, den wir nach einem anstrengenden Fußmarsch von der Metro zum Meer letztendlich auch erreichten. Zum Glück hatten die Spanier mitgedacht und brachten zwei Gitarren mit, zu deren Musik wir beim Sonnenuntergang alle zusammen baskische und internationale Lieder gesungen haben. Dies gab uns ein Gefühl von einer großen Gemeinschaft. Zudem hat sich auch keiner ausgegrenzt gefühlt und niemand von uns war unglücklich mit seiner Gastfamilie, da diese stets freundlich waren und wir uns wie zu Hause gefühlt haben.

Zunächst haben sich viele gefragt, ob sich der Autausch auch für die wenigen nicht-spanisch-sprechenden Schüler lohnt. Das ist ganz einfach zu beantworten, denn diese haben genauso viel von der Kultur kennengelernt und viele neue interessante Erfahrungen gesammelt wie die Spanisch Lernenden, zum Beispiel unbekanntes Essen, fremde Sitten und Gebräuche und geschichtliche Hintergründe. Durch das dauerhafte Sprechen von Englisch oder Spanisch wurden alle offener für die Fremdsprachen, und es fiel der Gruppe leichter, sie anzuwenden.

Hilfreich für die wesentlich größere Gruppe der Spanisch-Schüler war das stetige Hören und Sprechen des Spanischen, um die Aussprache zu verbessern und den Wortschatz zu erweitern.

Zur Abwechslung vom kulturellen Alltag sind wir am Wochenende mit der gesamten Gruppe feiern gegangen. Es schien, als wären alle Jugendlichen Bilbaos gekommen. Unsere Austauschpartner haben uns viele ihrer Freunde vorgestellt, die genauso nett und offen uns gegenüber waren.

Bei der Fiesta gab es auch ein landestypisches Gericht, nach dem alle total verrückt waren: churros con chocolate. Das sind frittierte lange Schlangen aus Teig, die man in Schokolade tunkt. Auch bei unseren Familien zu Hause haben wir neue Sachen probiert und kennengelernt. Zum Beispiel croquetas, verschiedene Fischarten und Tortilla.

Oftmals sind wir mit knurrendem Magen unterwegs gewesen, da wir uns erst an die für uns ungewohnten Essenszeiten gewöhnen mussten. Doch auch dafür haben die Familien vorgesorgt und uns Sandwiches, Obst und kleine Snacks für unterwegs eingepackt. Meist hatten wir sogar mehr dabei als ihre eigenen Kinder.

Wegen der Gastfreundschaft und der schönen Erlebnissen mit der Familie und den Austauschpartnern wollen viele den Kontakt weiterhin halten, um nochmal hier in Bilbao unsere neu gewonnenen Freunde wieder zu sehen. Für alle war es eine tolle Erfahrung, auch mal in den Alltag eines anderen in einem fremden Land zu blicken. Wir werden uns immer an diese zehn Tage zurückerinnern, weil wir hier viele unterschiedliche Eindrücke gesammelt haben, nicht nur in sprachlicher Hinsicht, sondern auch im Bereich Kultur und Lebenstil. Wir alle würden sofort wieder an einem Austausch teilnehmen, denn hier haben wir nicht nur für die Schule gelernt, sondern auch für das Leben.

Larissa May und Melina Schmidt

2018-11-12T17:56:27+02:0012. März 2015|