Prof. Rosenberg über Schindlers Liste

//Prof. Rosenberg über Schindlers Liste

Durch „Schindlers Liste“ wurden sie weltberühmt – jenes Ehepaar Schindler, dem es am Ende des Zweiten Weltkriegs gelang, rund 1200 Juden sowie nichtjüdische Häftlinge vor der Ermordung in Auschwitz von der SS loszukaufen. Die Biographin Emilie und Oskar Schindlers, Prof. Erika Rosenberg, stellte dieser Tage auf Einladung der Fachschaft Geschichte ihre Erlebnisse mit den Schindlers und den „Schindler-Juden“ den Schülern der neunten Klassen des Leibniz-Gymnasiums vor.

Diese begrüßten die mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnete argentinische Autorin mit herzlichem Applaus. Erika Rosenberg berichtete den Schülern zuerst aus ihrem Leben: Ihre Eltern, ein jüdischer Jurist aus Berlin und eine jüdische Ärztin aus Hamburg, mussten wegen der Nationalsozialisten Deutschland verlassen. Nachdem sie ihre Berufe nicht mehr ausüben durften, flohen sie 1936 nach Südamerika, dort zuerst nach Paraguay und später nach Buenos Aires in Argentinien. Nachdem ihre Mutter 1990 gestorben war, beschloss Erika Rosenberg, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen und sie suchte mehr darüber zu erfahren – in diesem Kontext lernte sie Emilie Schindler in Buenos Aires persönlich kennen. Sie veröffentlichte schließlich mehrere Bücher auch über Oskar und Emilie Schindler und freundete sich mit ihr an.

Entsprechend genau berücksichtigte sie Emilie Schindler in ihrer Forschungsarbeit. Diese erzählte ihr viel über ihren Mann und sich selbst und wie sie es schafften, über 1200 Menschen vor dem Tod zu retten. Dies geschah vor allem durch die Emailewarenfabrik der Schindlers in Krakau und später in Brünnlitz, in der viele Juden arbeiteten. Durch Emilie Schindler erfuhr Rosenberg viel über die guten und schlechten Seiten Oskar Schindlers. Laut Rosenberg „war Oskar Schindler kein Heiliger, sondern ein Mensch wie du und ich“. Trotzdem hätten Oskar und Emilie nicht weggeschaut, sondern getan, was sie tun mussten und mit dem Herzen gesehen.

Obwohl Oskar Schindler sowohl von der Bundesrepublik Deutschland als auch von Yad Vashem ausgezeichnet wurde, blieb Schindlers Liste, die im Oktober 1944 mehr als 1200 Menschen durch die Aufnahme in Schindlers neue Firma in Brünlitz vor dem Tod in einem KZ rettete, einer breiteren Öffentlichkeit unbekannt.

Dies änderte sich durch Steven Spielbergs Film 1993 grundlegend. Spielberg lud für seine Verfilmung Emilie Schindler für den Abschluss der Dreharbeiten nach Israel ein, jedoch scheint ihm die „gute Deutsche“ nicht sehr erwünscht gewesen zu sein – die Judenretterin und Hauptperson wurde von dem Amerikaner gemieden, ganz im Gegensatz zu den zahlreich anwesenden Geretteten, die Emilie Schindler auch nach 50 Jahren sehr dankbar waren. Erika Rosenberg zum Film: „Er hat Emilie Schindler in den Hintergrund gerückt. Sie hat aber ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Rettung der Juden gespielt. Viele wichtige Einzelheiten verfälscht der Film“. Im Juli 2001 reisten Emilie Schindler und Erika Rosenberg auf den Wunsch Emilie Schindlers nach Deutschland. Dort starb diese dann im Oktober in Waldkraiburg, wo sie auch begraben liegt.

Die Schüler der neunten Klassen folgten Rosenbergs Vortrag mit größter Aufmerksamkeit und tiefer Bewegung. Immer wieder erläuterte die Biographin Einzelheiten, beantwortete zahlreiche Fragen der Schüler und füllte den historischen Stoff mit sehr lebendigen Details – eine besondere Geschichtsstunde am Leibniz-Gymnasium und ein persönlicher Zugang zu den tausendfachen Lebensrettern.

Text: Christof Böhm

Foto: Bettina Schäferling

Prof. Erika Rosenberg vor Schülern der neunten Jahrgangsstufe des Leibniz-Gymnasiums

Hier geht es zum Blog von Prof. Rosenberg über ihre Veranstaltung im Leibniz-Gymnasium:

http://rosenbergerika.blogspot.de/2016/11/vormittagsveranstaltung-im-leibniz.html

2018-11-12T19:52:20+02:0012. November 2017|