Das White Horse Theatre am Leibniz

////Das White Horse Theatre am Leibniz

Ganz zappelig erwarten die rund 200 SchülerInnen der fünften und sechsten Klassen des Leibniz-Gymnasiums Altdorf die Aufführung des Stücks Silver Jane des White Horse Theatre. Diesmal hat sich Peter Griffith, Autor und Direktor des britischen Unternehmens, dessen Truppen an Schulen in ganz Europa und sogar Japan und China gastieren, eine Fantasy einfallen lassen, wie die Kinder sie von ihren Harry Potter Büchern und Filmen lieben.

Jane, die Heldin dieses Stücks, ist buchstäblich vom Himmel gefallen; als Findelkind wird sie liebevoll von einem älteren Holzfällerehepaar aufgezogen, und da das kleine Mädchen zauberhaft silberne Haare hat, soll sie Silver Jane heißen.

Bald stellt sich heraus, dass nicht nur Janes Haar besonders ist, sondern dass sie auch über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt. In der Mathematikstunde in der Schule etwa lässt Jane die Kinder im Publikum, die die einfachen Rechenaufgaben noch lösen können, bald hinter sich. 317 472 durch 158 736 zu dividieren ist für sie ein Kinderspiel, und Fragen à la Wer wird Millionär löst sie problemlos, so dass der Lehrer schließlich vor der Allwissenheit seiner „hochbegabten“ Schülerin kapitulieren muss.

Aber auch mit ihren physischen Kräften ist Jane den anderen Jugendlichen ihres Alters haushoch überlegen. Den übelsten Bully der Schule und der ganzen Stadt erledigt sie im Handumdrehen, Bankräuber bringt sie zur Strecke, und selbst mit einem Bären nimmt sie es auf. Zwar stattet Peter Griffith seine Protagonistin mit überlegener Stärke aus, doch es geht ihm nie um Sieg oder primitive Gegengewalt, sondern vielmehr um Einsicht und Befriedung, und man lässt sich seine Utopie gerne gefallen, dass Janes Heldentaten globale Wirkung zeigen, indem sich Kriminelle auf der ganzen Welt bekehren und korrupte Politiker ihrer Verantwortung besinnen…

Dabei sind der bärenstarken Jane ihre eigene Genialität und magischen Kräfte selbst recht unheimlich – wie durch einen Zauber wird sie an Orte „gerufen“, wo ihre Hilfe vonnöten ist. Noch verwirrender ist für sie ihre Fähigkeit zu fliegen. Und so stellt Jane wie alle ( jungen ) Menschen zu allen Zeiten die großen Sinnfragen des Lebens. „But…where do I come from? Who am I?“ „I want to find out about myself…“

Ihr coming-of-age Drama hat Jane allein zu bewältigen. Ihre Eltern sind von alledem schlicht überfordert und nehmen die Auseinandersetzung ihrer 15-jährigen Tochter gar nicht wahr, und Rupert, ihr erster boyfriend, findet sie einfach nur „nuts“, verrückt, wobei sich hier recht amüsante Verwicklungen und Wortspiele ergeben, als Jane nun auch noch „Stimmen“ hört.

Immerhin erfährt sie ( und der Zuschauer ) jetzt, dass ihre wahren Eltern auf einem anderen Planeten leben, far away in space ,und dass sie mit der Mission auf die Erde „geworfen“ wurde, das Universum zu retten.

Auf dem übelriechenden Planeten Squolth nämlich bedroht das Space Monster Blurg das gesamte All mit seiner Höllenmaschine. Fantasy wird Science Fiction. Mit einer Art Laser Energie wird der Unhold besiegt, mission possible, nur stürzt jetzt Janes eigenes Computersystem ab, und das Publikum realisiert ein wenig schockiert, dass die Heldin des Dramas ein computergesteuerter Alien ist. Gottlob kann hier boyfriend Rupert einspringen und Janes „Betriebsprogramm“ wieder zum Laufen bringen.

Am Ende ihrer Quest wird Jane doch wieder ganz Fleisch und Blut, sie hat heimgefunden, und die extraterrestrischen Abenteuer erweisen sich als Metapher für ihren Selbstfindungsprozess. Ein ganzes Stück erwachsener und selbstsicherer geworden entscheidet sie sich für den Planeten Erde, für ihre Zieheltern und für ihren Freund. „Yes – Mum – Dad – Rupert: hello, I´m home. And now that the universe is safe, let´s all go in and have tea.“

A propos Tee – das White Horse ist ein Theater zum Anfassen, und die vier jungen englischen SchauspielerInnen Hannah Abbot, Lauren Donavan, Oliver Aitchison und Ian Archdeacon stellen sich nach der Vorstellung den Fragen der Kinder, die das Angebot auch ohne Scheu und Berührungsängste annehmen. Zu ihrer Erheiterung gehören zu den Lieblingsgerichten der EngländerInnen Weißwürste und Jägerschnitzel with Pommes.

Regina Sorek

2018-11-12T18:15:16+02:0009. Februar 2018|