Jenseits der Finsterbach-Brücke – Antonia Michaelis

//Jenseits der Finsterbach-Brücke – Antonia Michaelis

Lasse Windström wächst auf dem wunderschönen Norderhof, einem idyllisch und einsam gelegenen Weiler, mitten im Norderwald auf.

Er lebt dort mit seinem Vater im großen Gutshaus. Seine Mutter ist bei seiner Geburt gestorben.

Lasse genießt am Norderhof ein unbeschwertes Leben mit Tieren, Lagerfeuern, Schwimmen im Bach, Pfeil und Bogenschießen usw. Er hat ein eigenes Pferd, einen Fuchswallach namens Westwind, und unternimmt täglich weite Streifzüge durch den Norderwald. Lasse erhält gemeinsam mit den anderen Kindern am Norderhof Privatunterricht.

Der Norderwald wird im Süden begrenzt durch eine Mauer und den Finsterbach. Jenseits dieser Mauer befindet sich militärisches Sperrgebiet. Es ist lebensgefährlich, Bach und Mauer zu überwinden, so wurde es ihm von klein an erzählt.

Doch eines Morgens sollte sich alles ändern:

Ein Lamm aus der Schafherde wird auf der Koppel tot aufgefunden. Die tödliche Verletzung, eine große glatte Schnittwunde am Hals, stammt sicherlich nicht von einem Wolf oder ähnlichem, sondern von „Zähnen oder Krallen, scharf, wie eine Klinge“.

Der sonst so unerschrockene Schäfer Johann murmelt beunruhigt: „Etwas ist im Wald, es ist von draußen hereingekommen, etwas Böses!“

Lasse entdeckt in der Nähe der Koppel blaue Federn im Gebüsch und erinnert sich an ein Fabelwesen, von dem ihm, als er noch kleiner war, am Lagerfeuer oft Geschichten erzählt wurden. Von einer Art, blaugefiedertem Greif, den die Leute den Kjerk nennen und fürchten. Er hielt das bis dahin eher für Phantasiegeschichten, aber ihn beschleichen nun Zweifel. Vielleicht gibt es den Kjerk ja wirklich?

Lasse will das Geheimnis lüften und reitet tief in den Wald, auf der Suche nach weiteren Spuren.

So reitet er bis zur südlichen Mauer und sieht dort auf der anderen Seite des Finsterbaches einen gleichaltrigen Jungen.

Die beiden begrüßen sich über den laut tosenden Bach hinweg und beginnen, voller Neugier aufeinander, aus Stämmen und Ästen eine Brücke über den Finsterbach zu bauen. Der Junge stellt sich vor als Joern Hagen. Die beiden Jungen stellen fest, dass ihnen jeweils die gleichen Geschichten erzählt wurden: Jenseits des Finsterbaches sei militärisches Sperrgebiet. Joern kann es kaum glauben, dass es auf dieser Flussseite, mitten im Wald, den Norderhof geben soll und erzählt Lasse zu dessen großen Erstaunen, dass er aus der Schwarzen Stadt, südlich der Mauer, kommt.

Alle Bewohner der Schwarzen Stadt, von der Lasse noch nie zuvor gehört hat, arbeiten für wenig Geld in den nahegelegenen Bergwerken, so erzählt Joern. So auch seine Mutter und seine fünf Brüder, der Vater hat die Familie verlassen. In den Bergwerken wird Kohle und Nachtspat abgebaut. Nachtspat ist ein sehr begehrter Kristall. Wenn man durch ihn hindurch sieht, erscheint die Welt in den schönsten Farben und man ist von tiefstem Glück beseelt. Durch den Verkauf von Nachtspat ist der Bergwerksbesitzer, der sogenannte „Große“, ein unermesslich reicher Mann geworden. In der Schwarzen Stadt hingegen ist alles grau und armselig. Das Sonnenlicht schafft es selten durch den Qualm der Schornsteine durchzudringen und wenn es regnet „wäscht der Regen den Dreck aus der Luft, der dann wie Tinte die grauen Straßen entlang rinnt“.

Lasse berichtet Joern von seiner Jagd nach dem Kjerk und Joern schließt sich ihm an. Laut Legende ist der Kjerk nur mit blauen Waffen zu besiegen. Somit legt sich Joern ein Messer mit blauem Griff zu. Lasse, ein sehr geübter Bogenschütze, präpariert seine Pfeile mit den gefundenen blauen Federn des Kjerks. Die Suche bleibt zunächst ohne Erfolg. Unterdes wird ein weiteres Lamm nach dem gleichen Schema getötet und auch Westwind wird vom Kjerk angegriffen und schwer verletzt.

Parallel dazu verschlechtert sich auch die Situation in der Schwarzen Stadt. Onnar, Joerns großer Bruder, legt sich mit dem Bergwerksbesitzer an und bekommt dessen Macht zu spüren. Er wird des Diebstahls von Nachtspat bezichtigt und landet im Gefängnis.

Joern findet, versteckt in der Wohnung seiner Mutter, einen Ring mit einem kleinen Nachtspatstein und den Initialen I&D, den gleichen Ring findet Lasse tatsächlich einige Tage später durch Zufall im Norderwald.

Die beiden Jungen sind sich nun sicher, dass die Schicksale des Norderwaldes und der Schwarzen Stadt eng miteinander verbunden sind und machen sich daran, die vielen Rätsel zu lösen.

Lesebeispiel

„Wenn ich euch sage: Geht nicht mehr allein in den Wald“, flüsterte Flint, „dann wird es nichts ändern, nicht wahr? Ihr werdet trotzdem gehen. Niemand kann euch davon abhalten, einer Spur aus blauen Federn zu folgen, und niemand kann euch davon abhalten, den Kjerk zu suchen. Aber ich habe Angst. Alle Väter haben Angst, wenn ihre Söhne dem Bösen nachjagen.

Der Kjerk ist ein Teil des Bösen, von dem ich nie wollte, dass du es siehst, Lasse.

Vergiss deinen Bogen nie. Vergiss deinen Freund nie. Und vergiss nie all das Schöne: das Feuer im Kamin. Das Schnurren der Katze. Die Musik und das goldene Licht des Norderhofes und das Wispern im Sommergras. Denk daran, wenn du irgendwann zu viel Böses und Hässliches sehen musst.“

(Seite. 78)

Die Buchempfehlung stammt von Jonne Clodius aus der Klasse 5 a

2019-06-11T10:38:49+02:0011. Juni 2019|